Corporate KI · · KI-Team bbcom secure · 11 Min. Lesezeit

Wissenslage Nr. 01: Rendite im Mittelstand, KI im eigenen Haus, Wissen vor dem Ruhestand

Mittelständler mit KI arbeiten rentabler, KI wird jedes Jahr um ein Vielfaches günstiger, und das Wissen der Babyboomer muss jetzt gesichert werden. Die Wissenslage Nr. 01 mit Prüffragen für Ihr Unternehmen.

Wissenslage Nr. 01, Oktober 2026: Zwei humanoide Roboter räumen nachts Regale in einem Supermarkt ein
Testlauf im Einzelhandel in Dänemark: Humanoide Roboter bestücken nachts Regale.

In drei Sätzen

Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland KI, und wer sie im Mittelstand nutzt, wächst laut KfW Research schneller und arbeitet rentabler. Gleichzeitig wird KI rasant günstiger und lässt sich immer besser im eigenen Haus betreiben, während der Druck wächst, das Wissen der Babyboomer-Generation zu sichern, bevor es in Rente geht. Und in Dänemark lernen humanoide Roboter gerade, nachts Supermarktregale einzuräumen.

Die Zahl des Monats: 57 Prozent

So viele Unternehmen in Deutschland setzen inzwischen Künstliche Intelligenz ein. Vor einem Jahr waren es 36 Prozent, vor zwei Jahren 20 Prozent. Das zeigt die Bitkom-Studie vom September 2026, für die 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt wurden. Zwei Drittel der Anwender sehen ihre Wettbewerbsposition verbessert, fast die Hälfte berichtet von schnelleren internen Prozessen. Der Einsatz im Wissensmanagement hat sich binnen eines Jahres auf 22 Prozent verdoppelt. Zugleich ist der Weg noch weit: 59 Prozent der Unternehmen schöpfen das Potenzial von KI nach eigener Einschätzung bisher kaum aus. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst bringt es auf den Punkt: „Wer nur eine Lizenz kauft, hat KI eingekauft, aber noch nichts verändert.“

bbcom secure sagt dazu: Die Mehrheit ist gestartet, die Spitze ist noch frei. Der Unterschied zwischen den 57 Prozent und den wenigen, die wirklich Nutzen ziehen, liegt nicht im Werkzeug, sondern in der Grundlage: einer Corporate KI Wissensbasis, in der das Unternehmenswissen so abgelegt ist, dass KI damit arbeiten kann.

Ihre Prüffrage: Kann eine KI in Ihrem Unternehmen heute eine typische Kundenanfrage beantworten, ohne dass jemand die Unterlagen dafür zusammensucht?

Aus der Praxis

Dänemark: Roboter räumen nachts die Regale ein

In einer Filiale der Supermarktkette Føtex bei Kopenhagen trainieren seit Juni 2026 humanoide Roboter, Waren zu greifen und in Regale einzusortieren. Die Technik stammt vom dänischen Start-up Hive Robots, die Roboter selbst baut der chinesische Hersteller Unitree. Bis Anfang 2027 sollen sie die Regale selbstständig auffüllen, zunächst nachts bei geschlossenem Laden. Der betriebswirtschaftliche Hintergrund: Die Beschäftigten verbringen nach Angaben des Unternehmens 40 bis 50 Prozent ihrer Arbeitszeit mit dem Auffüllen, und die Salling Group, zu der Føtex gehört, betreibt über 2.000 Filialen in sechs europäischen Ländern. Wer dort einen Teil der körperlich belastenden Nachtarbeit automatisiert, gewinnt Zeit für Beratung und Verkauf. Noch steuern Menschen jede Bewegung aus der Ferne, während die KI lernt, mit Verpackungen, Gewichten und Regalhöhen umzugehen.

bbcom secure sagt dazu: Das Vorgehen ist vorbildlich, unabhängig von der Technik: ein klar abgegrenzter Prozess, eine Lernphase, in der Menschen die KI anleiten, und ein fester Termin für den Regelbetrieb. Genau so bereiten wir Unternehmen auf KI-Agenten und Robotik vor. Was der Roboter im Regal lernt, lernt ein Agent im Büro aus derselben Quelle: aus dem dokumentierten Wissen der Menschen, die die Arbeit heute machen.

Ihre Prüffrage: Welcher Ablauf in Ihrem Haus ist so klar beschrieben, dass Sie ihn einem neuen Kollegen, einem Agenten oder einem Roboter übergeben könnten?

Deutschland: Kommunen senken Bearbeitungszeiten um 90 Prozent

Näher am Büroalltag und mit harten Zahlen: Im Agentic AI Hub des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung haben 19 Kommunen von März bis Mai 2026 KI-Anwendungen mit echten Daten getestet. Die Bearbeitung von Auskunftsanträgen nach der DSGVO sank von mehreren Wochen auf wenige Stunden, ein Rückgang um über 90 Prozent. Bei Anträgen auf Hilfe zur Pflege verkürzte sich die Durchlaufzeit um 45 Prozent, die manuelle Nachbearbeitung von Sitzungsprotokollen um rund 78 Prozent. Zwei Drittel der Lösungen waren in weniger als vier Wochen eingeführt. Seit Oktober läuft die zweite Runde mit 38 Kommunen und 17 Start-ups, darunter Solingen, wo Bürgeranliegen und Mängelmeldungen automatisch kategorisiert und an die zuständigen Stellen weitergeleitet werden.

bbcom secure sagt dazu: Posteingang sortieren, Anträge vorprüfen, Protokolle aufbereiten, Löschfristen überwachen: Das sind dieselben Routinen wie in der Verwaltung jedes mittelständischen Unternehmens. Dass gerade DSGVO-Prozesse die größten Gewinne bringen, überrascht uns nicht. Sie sind klar geregelt, wiederkehrend und gut dokumentierbar, also ideal, um Bürokratie durch KI zu automatisieren. Wer Datenschutz und KI zusammen plant, bekommt beides schneller.

Ihre Prüffrage: Wie lange braucht Ihr Haus heute für eine Datenschutzauskunft, und wer weiß, wo alle Daten liegen?

Rund um Ihr Unternehmenswissen

Babyboomer: Bis 2036 fehlen 4,3 Millionen Arbeitskräfte

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat im Juni 2026 seine Prognose nachgeschärft: Bis 2036 sinkt das Erwerbspersonenpotenzial um rund 7 Prozent auf etwa 51 Millionen Menschen, es fehlen dann rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte. Vor zwei Jahren war das IW noch von 3 Millionen ausgegangen. Jedes Jahr gehen rund 1,3 Millionen Menschen in Rente, nur etwa 800.000 rücken nach. Eine Befragung des Kreditversicherers Atradius unter über 330 Unternehmen zeigt, wie Betriebe reagieren: 61 Prozent lassen Nachfolger sechs bis zwölf Monate parallel einarbeiten, 55 Prozent dokumentieren Prozesse in internen Systemen, 36 Prozent halten Ehemalige als Berater verfügbar. Eine Wissensstrategie fehlt bei jedem fünften Unternehmen, und erst 3 Prozent nutzen KI, um Wissen aus Dokumenten und E-Mails systematisch zu erschließen.

bbcom secure sagt dazu: Der Wissensabgang ist der planbarste Engpass, den ein Unternehmen hat: Die Geburtsjahrgänge stehen in der Personalakte. Sechs bis zwölf Monate Doppelbesetzung sind teuer und oft gar nicht mehr möglich. Wer Wissen sichert, bevor es in Rente geht, und daraus digitale Anleitungen für die Einarbeitung macht, verkürzt diese Zeit deutlich und behält das Wissen auch dann, wenn der Nachfolger später wechselt.

Ihre Prüffrage: Welche drei Personen in Ihrem Unternehmen gehen in den nächsten fünf Jahren in Rente, und was wissen nur sie?

Nachfolge: 545.000 Übergaben bis 2029

Nach dem Nachfolge-Monitoring von KfW Research suchen bis Ende 2029 rund 545.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolge, also etwa 109.000 pro Jahr. 57 Prozent der Inhaber sind 55 Jahre oder älter, das Durchschnittsalter liegt bei knapp über 54 Jahren, 2003 waren es 45. 42 Prozent der Nachfolgeplaner erwägen einen Verkauf an Externe. Die durchschnittlichen Kaufpreise sind seit 2019 um 34 Prozent gestiegen.

bbcom secure sagt dazu: Ein Käufer bezahlt für Kunden, Anlagen und Marke, aber er übernimmt vor allem Wissen: wie die Maschinen eingestellt werden, welche Kunden worauf achten, welche Ausnahmen gelten. Was davon nur in Köpfen liegt, mindert den Wert oder macht die Übergabe riskant. Ein Know-How-Safe macht dieses Wissen übertragbar und für die Due Diligence prüfbar.

Ihre Prüffrage: Würde Ihr Unternehmen ohne Sie drei Monate lang ohne Rückfragen laufen?

Bürokratie: Mehr Pflichten, mehr Stellen

Das IW-Zukunftspanel mit 1.088 befragten Unternehmen zeigt: 55 Prozent sehen ihren Aufwand für Berichts- und Dokumentationspflichten in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen, ein weiteres Viertel etwas gestiegen. Bei Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten hat fast jedes zweite dafür zusätzliche Stellen geschaffen. Als Haupttreiber nennen neun von zehn Unternehmen die wachsende Komplexität der Vorschriften.

bbcom secure sagt dazu: Dokumentationspflichten folgen festen Regeln und greifen auf Daten zurück, die im Unternehmen ohnehin vorhanden sind. Genau das kann eine Wissensbasis mit KI-Agenten übernehmen: Nachweise zusammenstellen, Berichte vorbereiten, Fristen überwachen. Die neue Stelle für die Bürokratie lässt sich so oft vermeiden, und die vorhandenen Fachleute gewinnen Zeit für ihr eigentliches Fach.

Ihre Prüffrage: Wie viele Stunden pro Woche verbringen Ihre Fachleute mit Nachweisen, die sie aus vorhandenen Daten zusammensuchen?

Studien, Prognosen und Trends

KI-Kosten: Dieselbe Leistung wird jedes Jahr um ein Vielfaches günstiger

Das Forschungsinstitut Epoch AI hat im September 2026 ausgewertet, wie sich der Preis für ein bestimmtes Leistungsniveau von KI-Modellen entwickelt. Ergebnis: Seit 2023 sinken die Kosten im Schnitt um rund 47 Prozent pro Quartal, das entspricht einem Rückgang auf etwa ein Dreizehntel innerhalb eines Jahres. Direkt nach dem Erscheinen eines neuen Spitzenniveaus fällt der Preis sogar noch schneller. Parallel holen frei verfügbare Modelle auf: Nach Epoch-Analysen liegen offene Modelle 2026 im Schnitt nur rund vier Monate hinter den besten geschlossenen Modellen. Bereits 2025 erreichten offene Modelle, die auf einer einzelnen handelsüblichen Grafikkarte laufen, das Spitzenniveau von sechs bis zwölf Monaten zuvor.

bbcom secure sagt dazu: Für den Mittelstand ist das die vielleicht wichtigste Nachricht des Monats. KI im eigenen Haus, ohne dass Daten das Unternehmen verlassen, wird technisch und wirtschaftlich realistisch. Damit verschiebt sich die Frage: nicht mehr welches Modell, sondern welche Wissensbasis. Wer sein Wissen modellunabhängig aufbaut, kann jedes Jahr auf das bessere und günstigere Modell wechseln oder es lokal betreiben, ohne neu anzufangen.

Ihre Prüffrage: Ist Ihr KI-Projekt so gebaut, dass Sie das Modell wechseln können, ohne Ihr Wissen neu aufzubereiten?

KfW Research und Gartner: Der Ertrag ist da, der Nachweis fehlt oft noch

KfW Research hat im September 2026 das KfW-Mittelstandspanel ausgewertet. Ein typischer Mittelständler mit KI-Einsatz erzielte 2024 ein Umsatzwachstum von plus 0,4 Prozent, ein Unternehmen ohne KI ein Minus von 0,7 Prozent. Die Umsatzrendite lag bei 4,5 statt 3,6 Prozent, der Umsatz je Vollzeitkraft rund 3,4 Prozent höher. Die Unterschiede bleiben bestehen, wenn andere Erfolgsfaktoren herausgerechnet werden. Dass dieser Weg Arbeit ist, zeigt die Gartner-Befragung von 2.002 CIOs, vorgestellt Mitte Oktober auf dem Gartner IT Symposium: Erst 13 Prozent berichten von einem erheblichen oder transformativen Nutzen ihrer KI-Investitionen, und 44 Prozent der CEOs tun sich schwer, den Ertrag gegenüber Eigentümern und Gremien zu belegen.

bbcom secure sagt dazu: Die KfW misst das Ergebnis, Gartner misst die Fähigkeit, es zu belegen. Beides gehört zusammen. Wir legen vor jedem Einsatz fest, welche Kennzahl sich wie verändern soll: Bearbeitungszeit, Rückfragen, Fehlerquote, Einarbeitungsdauer. Dann ist der Nachweis am Ende keine Frage des Glaubens.

Ihre Prüffrage: Welche Kennzahl soll sich durch Ihr nächstes KI-Projekt verändern, und wie hoch ist sie heute?

McKinsey: Die Vorreiter bauen Abläufe um, der Stellenabbau bleibt meist aus

Die globale McKinsey-Umfrage „State of AI 2026“ mit 1.719 Teilnehmern aus 97 Ländern zeigt, was die erfolgreichsten Unternehmen anders machen. Fast neun von zehn nutzen KI in mindestens einer Funktion, 37 Prozent sehen bereits einen Beitrag zum Betriebsergebnis. Die Vorreiter, rund 6 Prozent, gestalten zu drei Vierteln ihre Arbeitsabläufe um KI herum neu, statt sie an bestehende Prozesse anzuhängen. Beruhigend ist die Beschäftigungsfrage: 32 Prozent hatten für das vergangene Jahr einen Personalrückgang durch KI erwartet, eingetreten ist er bei 14 Prozent.

bbcom secure sagt dazu: Der Umbau der Abläufe beginnt mit der Frage, was die Menschen im Prozess eigentlich wissen und woher. Erst wenn dieses Wissen in einer Wissensbasis liegt, kann ein Ablauf um KI herum neu gestaltet werden. Dass die befürchteten Stellenverluste ausbleiben, passt zum Fachkräftemangel: KI entlastet die Erfahrenen und macht Neue schneller produktiv.

Ihre Prüffrage: Welchen Ablauf würden Sie heute ganz anders aufsetzen, wenn das nötige Wissen jederzeit abrufbar wäre?

Blick über die Grenze

Robotik: Rekordjahr weltweit, Deutschland bleibt Europas Zentrum

Der Weltverband IFR zählt in seinem Bericht „World Robotics 2026“ erstmals mehr als 600.000 neu installierte Industrieroboter in einem Jahr, ein Plus von 11 Prozent, und einen Bestand von 5 Millionen. Deutschland liegt mit 24.800 Installationen in der Fertigung weltweit auf Platz fünf und stellt 41 Prozent aller Installationen in der EU. 59 Prozent aller neuen Roboter wurden in China installiert, es folgen die USA und Japan. Japan hat zudem seine Robotikstrategie überarbeitet und peilt bis 2040 rund 10 Millionen KI-gesteuerte Roboter in 18 Sektoren an, neu auch in Pflege, Gastronomie und Lebensmittelproduktion. Südkorea hat eine vergleichbare Offensive angekündigt. Der Treiber ist überall derselbe wie in Dänemark und bei den Babyboomern: Arbeitskräftemangel durch Überalterung.

bbcom secure sagt dazu: Die Länder mit dem größten Fachkräftemangel investieren am entschlossensten. Deutschland, Österreich und die Schweiz haben dieselbe Demografie und eine starke Automatisierungsbasis. Was fehlt, ist meist nicht die Technik, sondern das dokumentierte Wissen, mit dem sich der nächste Schritt überhaupt automatisieren lässt.

Ihre Prüffrage: Wenn morgen ein Roboter oder Agent eine Aufgabe übernehmen könnte, gäbe es eine Anleitung, nach der er lernen kann?

Ihr KI-Team von bbcom secure

Die Wissenslage ist der Praxisbericht von bbcom secure zu Unternehmenswissen und KI-Agenten. Sie erscheint einmal im Monat, fortlaufend nummeriert, und richtet sich an Führungskräfte und Geschäftsleitungen. Sie bündelt, was im zurückliegenden Monat für die praktische Nutzung von Unternehmenswissen durch KI-Agenten wichtig war: Anwendungen, Studien und Prognosen. Keine Modellneuheiten, keine Produktankündigungen, sondern Einordnung: Was wird wo bereits eingesetzt, was zeigen die Zahlen, und was folgt daraus. Zu jeder Meldung sagen wir, wie wir sie sehen, und geben Ihnen eine Prüffrage für Ihr eigenes Unternehmen mit. Die Wissenslage Nr. 02 erscheint Ende November 2026. Wenn Sie ein Thema oder eine Frage für die nächste Ausgabe haben, schreiben Sie uns.

Quellen

  • Wissenslage
  • KI-Agenten
  • Wissensbasis
  • Nachfolge
  • Robotik
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